|
|
4.4.4.2 - Medizin und Gesundheit |
www.recherchieren.org: Die Informationsplattform 4.4.4 |
letzte Änderung: 2006-11-26 |
|
4.4.4.2 - Medizin und Gesundheit |
|
|
Investigativer Journalismus – da denkt man bei Gesundheit vor allem an Arzneimittel- (z.B. Lipobay) und Lebensmittelskandale (z.B. Nitrofen), Hochleistungsmedizin, ehrgeizige Forscher und Behandler und die damit verbundenen Risiken (z.B. Biotechnologie), Ethik und Skrupellosigkeit in Medizin und Pharmaindustrie, „gekaufte“ Experten und vieles mehr. Sicher bietet der Komplex Gesundheit ein breites Feld für Enthüllungen vielfältigster Art.
Doch bevor man auf den neuesten Skandal „aufspringt“, sollte man sich als Journalist im Klaren sein, dass an erster Stelle die reelle, oft sehr aufwendige Fachrecherche unter Zuhilfenahme unterschiedlichster Quellen steht, um ein Gesundheitsthema in all seinen Facetten erfassen zu können. Die Spezialisierung allein in der Medizin bringt es mit sich, dass es zwar übergeordnete Links gibt, aber dass sich häufig in jedem einzelnen Themenfeld (man bedenke nur die Vielzahl von Erkrankungen plus Prävention, Diagnostik und Therapie) eine eigene „Szene“ herausgebildet hat.
Solide wissenschaftsjournalistische Recherche steht am Anfang jeder guten Geschichte, die Auseinandersetzung mit Gutachten, Studien, Experten und Gegenexperten. Dies sei an einigen aktuellen Beispielen erläutert, die hier etwas näher betrachtet werden:
- Krebsprävention: Tabakkontrollpolitik in Deutschland
- Hormonsubstitution in und nach den Wechseljahren
- Impfungen gegen Masern, Mumps und Röteln
- Mammographiescreening zur Brustkrebsprophylaxe
- Ritalin für hyperaktive Kinder
- Gesundheit zwischen Psyche und Soma: „Dschungel“ Psychotherapie
1. Krebsprävention: Tabakkontrollpolitik in Deutschland
Das Deutsche Krebsforschungsinstitut weist darauf hin, dass in Deutschland jedes Jahr mindestens 110 000 Menschen an den Folgen des Rauchens vorzeitig sterben. „Tag für Tag 300, als stürze ein voll besetzter Jumbo-Jet ab.“ (Berliner Tagesspiegel, 6.9.02). In anderen Ländern habe man erfolgreiche Präventionsprogramme umgesetzt, Deutschland aber beteilige sich kaum an den Maßnahmen – so WHO-Abteilungsleiter Derek YACH. „In Deutschland manipuliere die Tabakindustrie die Politiker und sogar viele Wissenschaftler, sagte Yach.“ (Tagesspiegel)
In der WHO-Tradition steht der Präventionsbegriff von Rolf ROSENBROCK, Wissenschaftszentrum Berlin, seit 30 Jahren Präventionsexperte. Es reicht nicht, den Leuten vom Pult aus zu sagen, sie sollten mit dem Rauchen aufhören oder gar nicht damit anfangen. Um dauerhaft Änderungen eines gesundheitsschädigenden Verhaltens (z.B. Rauchen, Drogen, Alkohol, Bewegungsmangel, fettreiche Ernährung) zu erreichen, müsse man auch die Verhältnisse berücksichtigen, die das Verhalten bestimmen. Das hieße – so die Krebsforscher – die Tabaksteuer erhöhen, Zigarettenschmuggel bekämpfen, Zigarettenautomaten abschaffen – und vor allem brauche man ein umfassendes Werbeverbot, denn es ist nachgewiesen, dass Tabakwerbung den Tabakkonsum erhöht. Wobei entsprechend breit angelegte Präventionskampagnen (wie bei HIV/Aids) viel Geld kosten bzw. sich Politiker bei einer ernstgemeinten Antirauchkampagne mit der mächtigen Tabakindustrie anlegen müssten, so ROSENBROCK.
Er ist Mitglied im Sachverständigenrat für die konzertierte Aktion im Gesundheitswesen, die bis vor kurzem von Friedrich Wilhelm SCHWARTZ, Medizinische Hochschule Hannover, geleitet wurde. SCHWARTZ ist als Vorsitzender zurückgetreten, weil er eine zu große Politiknähe der wissenschaftlichen Experten befürchtet. Er spricht sich für eine gewisse Politikdistanz und Sachbezogenheit der Wissenschaftler aus. Er ist weiter Mitglied des Sachverständigenrats, der das System der gesetzlichen Krankenversicherungen prüfen und verbessern soll.
Relevante URL's: |
2. Hormonsubstitution in und nach den Wechseljahren
In Deutschland befinden sich über 10 Millionen Frauen jenseits der Wechseljahre. Bei einer mittleren Lebenserwartung von 82 Jahren leben Frauen etwa 30 Jahre ohne den Einfluß weiblicher Hormone. Dreiviertel von ihnen leiden im Klimakterium unter Hitzewallungen, Schweißausbrüchen, Stimmungsschwankungen, Schlaf- und Blutungsstörungen. Zur Behandlung dieser Beschwerden, aber auch zur Prophylaxe weiterer Erkrankungen (Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Osteoporose) wird den Frauen eine Hormonersatztherapie empfohlen – also ein nahtloser Anschluß an die unter Umständen jahrzehntelange Einnahme der Antibabypille.
Vehement sprachen sich Experten auf dem jüngsten Menopause-Weltkongreß für die Herz- und Knochenprophylaxe mittels Hormonersatztherapie aus. Diese Aussagen werden völlig infrage gestellt durch den vorzeitigen Abbruch einer wichtigen wissenschaftlichen Studie zur Hormonersatztherapie (200-Millionen-Dollar-Studie in den USA im Rahmen der WHI). Spektakulär an den neuen Ergebnissen ist vor allem, dass Frauen, die die Hormon-Kombination einnahmen, plötzlich sogar ein etwas höheres Herz-Kreislauf-Risiko zeigten! Hinzu kommt, dass viele Frauen die Hormonsubstitution aus Angst vor Brustkrebs abbrechen. Die Präparate führen häufig zu einer erhöhten Gewebedichte der Brust. Dadurch kann die Genauigkeit bei einer Mammographie vermindert sein. Entsprechend kann eine Langzeit-Hormontherapie zu einer leichten Erhöhung der diagnostizierten Brustkrebsfälle führen. |
3. Impfungen gegen Masern, Mumps und Röteln
Das klingt wenig aufregend: Standardimpfungen im Kindesalter. Und dann noch gegen Masern, Mumps und Röteln – da erinnern sich die meisten an ihre eigenen Pusteln bzw. „dicken Backen“. Da wurde doch damals nicht geimpft. Kinderkrankheiten, die leiblich und seelisch kräftigen, sagen die einen, häufig homöopathischen Kinderärzte, die nicht zur Impfung raten. Risiko Hirn- und Hirnhautentzündung bei Masern und Mumps, sagen die Impfärzte. Und sie verweisen auf die Rötel-Ansteckungsgefahr für werdende Mütter: Während der ersten drei bis vier Monate einer Schwangerschaft kann eine Rötelinfektion zu Missbildungen des werdenden Kindes führen. Impfexperten der Ständigen Impfkommission beklagen die mangelnden „Durchimpfungsraten“ bei Masern, Mumps und Röteln in Deutschland, weil sie insbesondere die gefährliche Masernenzephalitis (in einem von 1000-2000 Fällen) befürchten. Außerdem unterdrücke jede Masernerkrankung die Immunabwehr für mindestens 6 Wochen. Dagegen steht aus Sicht kritischer Kinderärzte, dass das Immunsystem eines Kindes immer weniger Chancen habe, sich durch das Bestehen normaler Kinderkrankheiten zu entwickeln und zu stärken. |
4. Mammographiescreening zur Brustkrebsprophylaxe
Bei Frauen zwischen 50 und 70 Jahren kann die Brustkrebsrate mittels regelmäßiger Mammographie um 20 bis 30 Prozent gesenkt werden, heißt es in europäischen Studien. Dieses Ergebnis wird derzeit in einer deutschen Pilotstudie überprüft. Mammographie bedeutet Röntgenuntersuchung der Brust. Die Daten für die Altersgruppe der 40- bis 49Jährigen sind noch uneinheitlich. Hintergrund: Bei dichtem Brustgewebe (unter 50 Jahren) lassen sich bösartige Tumore nur eingeschränkt identifizieren. Entsprechend gibt es bei jüngeren Frauen oft „falsch bösartige“ Befunde. Außerdem ist die Qualität der Röntgen-Institute sehr unterschiedlich. Zudem: Obwohl die Belastung durch Röntgenstrahlen als gering gilt, kann sie bei jungen Frauen wegen der stärkeren Strahlenempfindlichkeit des Gewebes höher sein. Entsprechend gibt es für Untersuchungen vor dem 30. Lebensjahr praktisch keinen Grund. Zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr sollte erstmals eine Basismammographie durchgeführt werden. Inwieweit und in welchen Abständen derartige Früherkennungsuntersuchungen ab dem 40. Lebensjahr empfohlen werden sollten, ist wissenschaftlich sehr umstritten. Bisher nicht nachgewiesen ist ein möglicher Zusammenhang zwischen der Entstehung von Brustkrebs und der Mammographie. URL's dazu: |
5. Ritalin für hyperaktive Kinder
Die Zeitungen und das Internet waren voll mit Horrormeldungen: „Ritalin: Wie die Psychiatrie aus Deutschlands Kindern Drogensüchtige macht“ – „Mit Psychodrogen gegen aufmüpfige Kinder“ – „Doping im Kindesalter“ – „Ritalin und Prozac: Opium fürs Volk“ usw.. Das Schreckgespenst einer Psychodroge für Kleinkinder sorgte und sorgt nach wie vor für erregte Pro- und Contra-Diskussionen zwischen Eltern, Ärzten, Selbsthilfeverbänden, Politikern etc. Zu Recht, wenn es um zu hohe Dosierung, alleinige Pharmakotherapie oder die medikamentöse Behandlung leichterer bzw. anderer Störungen geht. Doch je mehr man mit Eltern, Ärzten, Pädagogen, Psychologen, Selbsthilfeorganisationen usw. spricht, desto stärker zeigt sich, dass eine generelle Verdammung von Ritalin nicht angemessen ist. Entscheidend ist die sorgfältige Diagnostik und Therapie.
Bei seriöser Therapie geht es niemals um eine alleinige Ritalingabe: Dieses Medikament sollte nur verordnet werden, wenn es in eine begleitende Verhaltenstherapie mit dem hyperaktiven Kind, ein Training mit den Eltern und möglichst noch in Gespräche mit Erziehern und Lehrern eingebunden ist. Bei leichteren Formen von hyperkinetischen Störungen kann die psychotherapeutische und pädagogische Unterstützung der Familie genügen. Andererseits gibt es ausgeprägte Fälle von hyperkinetischen Störungen, bei denen es nicht ohne Ritalin geht, das Kind in seiner Störenfried- und Versagerrolle extrem isoliert und permanent bestraft würde und hier eine sorgfältige Dosierung des Medikaments große Erleichterung für das Kind und das gesamte soziale Umfeld erzeugt. In dieser „Entspannungsphase“ erfährt das Kind endlich wieder auch positive Rückmeldungen. |
6. Gesundheit zwischen Psyche und Soma: „Dschungel“ Psychotherapie
Die WHO hat 1986 die Ottawa-Charta zur Gesundheitsförderung verabschiedet. Grundlage ist die alte WHO-Definition: „Gesundheit ist ein Zustand vollständigen körperlichen, psychischen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur das Freisein von Beschwerden und Krankheit.“ Seit über 50 Jahren wirbt die Weltgesundheitsorganisation für ein positives und ganzheitlich orientiertes Gesundheitsverständnis. Dieser Gesundheitsbegriff bezieht nicht nur die klassische Schulmedizin, sondern auch Nachbardisziplinen wie die Psychologie mit ein. Hier wird natürlich massivst um Pfründe gekämpft. Seit kurzem sind auch die psychologischen Psychotherapeuten an der kassenfinanzierten Therapie von Krankheiten beteiligt. Durch das Psychotherapeutengesetz von 1999 wurden körperliche und psychische Krankheiten gleichgestellt.
Jeder Patient hat bei krankheitswertigen seelischen Beschwerden Anspruch auf eine kassenfinanzierte Psychotherapie – wenn auch bisher nur in drei zugelassenen Richtlinienverfahren. Das heißt, therapeutisch tätig sind psychologische Psychotherapeuten, ärztliche Psychotherapeuten, Psychiater, Fachärzte für Psychosomatik usw. – ein Dschungel, den Laien kaum überblicken können - schon gar nicht in einer persönlichen Notsituation. Außerdem herrscht vielerorts weiter das konventionelle medizinische Verständnis von Krankheit vor, das sehr viel mehr Gewicht auf die körperlichen als auf die seelischen Symptome legt. Häufig haben Patienten mit „unklarem Befund“, z.B. Schwindel oder Schmerzen, eine Odyssee mit zahllosen Facharztbesuchen hinter sich (s. Tsp.), bis eine psychosomatische oder psychische Störung diagnostiziert wird. Die konventionelle Medizin sucht mit allen diagnostischen Möglichkeiten eine somatische Ursache.
Gelingt dies nicht, heißt es „Sie haben nichts“ und der Patient ist wieder alleingelassen mit seinen Problemen.
Bei den Psychologen wiederum herrscht nach wie vor ein „Schulenstreit“ – noch forciert durch das Psychotherapeutengesetz: Von etwa 400 Psychotherapiemethoden werden bisher nur drei von den Krankenkassen finanziert: die Psychoanalyse, die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und die Verhaltenstherapie. Das bedeutet nicht, dass Verfahren wie Gesprächspsychotherapie oder Familientherapie nicht wirksam sind, hier wird im Hintergrund seit langem um die Anerkennung als Richtlinienverfahren gerungen. |
Allgemeine Links zu Gesundheit und Medizin
Deutsches Medizin Forum: 1995 gegründete Gesundheitsseite mit vielen Links zu deutschen Medizinseiten und Foren. Aktuelle Medizinnachrichten aus Agenturen. |
Informationen für Mediziner und Laien: |
Medizinische Informationen für Laien und Experten: |
Vom US-Gesundheitsministerium entwickelte Verweisliste auf diverse Medizinseiten: |
Auf medizinische Fortbildung spezialisierter Datendienst: |
Mediline: Medizinische Datenbank mit neun Millionen Einträgen aus 3900 medizinischen Journalen: |
„Das unabhängige Gesundheitsweb für Deutschland“: tägliche Schlagzeilen aus der Medizin: |
Mitglied der „Consumer Federation of America“ – Ziel: Quacksalberei und Scharlatanerie aufzudecken: |
Medizinisches Angebot des Nachrichtendienstes Reuters: |
Selbsthilfe Kontakt- und Informationsstelle: |
Umweltmedizinisches Informationsforum: |
Medizin für die Medien, Forschung an der Charité: |
umfangreiches Informationsangebot zu Medizin und gesundheit, geschrieben von in der Klinik arbeitenden Praktikern: |
Das medizinische Link-Wörterbuch: |
Information, Dialog und Service in der Medizin. Ausführliche Hintergrundinformationen für Patienten: |
Auswahl an Links zum Thema Gesundheit: |
Gesundheitsgespräch: Internet-Aufbereitung einer wöchentlichen BR-Gesundheitssendung: |
www.gesundheitsgespraech.de: |
Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit: |
Weitere medizinisch-gesundheitliche Themenfelder:
Positivliste, Me-Too-Präparate, die sogenannte „Vierte Hürde“:
Prof. Dr. Ulrich SCHWABE, Pharmakologe an der Uni Heidelberg und Vorsitzender des Instituts für Arzneimittelverordnung in der Gesetzlichen Krankenversicherung. Er hat maßgeblich an dem Entwurf der Postitivliste mitgearbeitet und begleitet die immer lauter werdenden Forderungen nach der Definition des Zusatznutzens bei sogenannten Me-Too-Präparaten kritisch. Er steht nicht im Verdacht, der Industrie besonders nah zu stehen.
Kontakt: |
Prof. Dr. Gerd GLAESKE vom Zentrum für Sozialpolitik der Universität Bremen ist ein ausgezeichneter Kenner zu allen Fragen rund ums Arzneimittel. Er ist kein Freund der Pharmabranche, wird wegen seiner Haltung oft als nicht innovationsfreundlich bezeichnet. Von ihm stammen Sätze wie „Es sterben mehr Menschen an Medikation als im Straßenverkehr“. Glaeske ist Befürworter des Versandhandels und der Positivliste. Er ist mit der Gemünder Ersatzkasse (GEK) „verheiratet“. Für sie erstellt er jährlich den Arzneimittelreport (in 2002 zum zweiten Mal) und stellt Erstaunliches fest, wenn es um den Einsatz bestimmter Medikamente bei diversen Indikationsstellungen geht. Neue und teure Arzneimittel ohne nachgewiesenen Zusatznutzen prangert Glaeske immer wieder scharf an und damit auch das Verordnungsverhalten der Ärzte, das er mit vielen Beispielen belegt.
Glaeske ist außerdem Vorsitzender der Gesellschaft für Arzneimittelanwendungsforschung und Arzneimittelepidemiologie und Mitautor der Publikationen „Bittere Pillen“ und „Handbuch Medikamente“ von der Stiftung Warentest: gglaeske@zes.uni-bremen.de
Zum Thema E-Health
Europäische Gesundheitspolitik muss unbedingt im Kontext von Gesundheitstelematik betrachtet werden, der technischen Vernetzung von Gesundheitsdaten europaweit. Die EU-Kommission und die nationalen Regierungen haben sich ambitionierte Ziele gesteckt: Ende 2002 soll eine Infrastruktur für den sicheren Datenaustausch verfügbar sein, so z. B. auch europaweit vernetzte Datenbanken zur Medikamentenwirksamkeit oder ansteckenden Krankheiten. Zwecks Gütekriterien für Websites mit Gesundheitsinfos checkt das Aktionsforum Gesundheitsinformationssystem (AFGIS) mit seinen 100 Mitgliedern, ob kommerzielle Interesse dahinterstecken und soll dies kenntlich machen. |
Das Gesundheitspolitische EU-Aktionsprogramm: |
Gesundheitspolitisch engagierte Initiativen:
Die BUKO Pharma-Kampagne repräsentiert ein Netzwerk von über 200 Dritte Weltgruppen allein in Deutschland und setzt sich kritisch mit den Geschäftspraktiken der internationalen Pharma-Konzerne auseinander.
Der englische Schriftsteller John le CARRÉ hat in seinem neuen Roman „Der ewige Gärtner“, in dem er sich selbst mit diesem Thema beschäftigt, über diese NGO folgendes geschrieben: „Die BUKO Pharma-Kampagne ... ist eine finanziell unabhängige, personell unterbesetzte Vereinigung vernünftiger, hoch qualifizierter Menschen, deren Ziel es ist, die Missetaten der pharmazeutischen Industrie, insbesondere deren Geschäfte in der Dritten Welt, ans Licht zu zerren. ... Dass die Pharmagiganten die Meinung von Mediziniern fortwährend auf heimtückische und systematische Weise beeinflussen, macht den Fortbestand von BUKO umso notwendiger“ (S. 557).
Die „vernünftigen, hoch qualifizierten Menschen“ machen weltweit Öffentlichkeitsarbeit (in DE z.B. mit dem „Pharma Brief“), veranstalten Konferenzen, diskutieren mit Politikern und der Industrie, vernetzen andere Initiativen und Gruppen in diesem Bereich. Ein Thema unter vielen sind die Stichworte Arzneimittel, Preisgefälle zwischen reichen und armen Ländern, Exporte (und kommerzielle Entsorgung) von nicht mehr in Europa zugelassenen Rezepturen in die Länder der Dritten Welt, Sinnhaftigkeit (Wirkstoffe, Kosten-Nutzen-Analysen) bestimmter Medikamente usw.
Die ‚Historie‘ dieser seit vielen Jahren existierenden und aktiv wirkenden NGO ist im Pharma-Brief 7/1995 abgedruckt und auch Online abrufbar.
BUKO-Pharma sitzt in Bielefeld: 0521 – 60 550 und ist im Internet erreichbar unter |
BUKO-Pharma arbeitet eng zusammen mit dem internationalen Netzwerk Health Action International (HAI) zusammen. HAI ist ein informelles Netzwerk von über 150 Initiativen und Interessensgruppen aus den Bereichen Gesundheit, Entwicklungsarbeit und Verbraucherthemen aus über 70 Ländern weltweit und sitzt in Amsterdam: |
Über die Wichtigkeit bzw. über die soziale Relevanz des Themas Arzneimittelhersteller und (unwissende) Verbraucher hat John le CARRÉ in seinem oben erwähnten Buch „Der ewige Gärtner“ (München: Econ Ullstein List Verlag 2001) übrigens folgendes geschrieben:
„Je tiefer ich in den pharmazeutischen Dschungel eindrang, desto klarer wurde mir, dass mein Roman, verglichen mit der Wirklichkeit, ungefähr so harmlos ist wie eine Urlaubspostkarte“ (S. 556). Und an anderer Stelle: „Meine Schilderung der Leiden Laras im achtzehnten Kapitel geht auf verschiedene wahre Begebenheiten zurück, die sich insbesondere in Nordamerika zugetragen haben. Dort hatten es hoch qualifizierte medizinische Forscher gewagt, anderer Meinung als ihre pharmazeutischen Zahlmeister zu sein, und für ihr Engagement mussten sie Verleumdung und Verfolgung hinnehmen. Dabei geht es nicht darum, ob ihre unwillkommenen Forschungsergebnisse korrekt waren oder nicht. Es geht nur um den Konflikt zwischen dem Gewissen eines Einzelnen und der Gier der Konzerne. Es geht um das elementare Recht von Ärzten, ihre Meinung frei und ohne Gegenlseitung zu äußern, und ihte Pflicht, Patienten über Risiken aufzuklären, die die Behandlung mit von ihnen verschriebenen Medikamenten ihrer Überzeugung nach bergen kann“ (S. 558).
Auch in diesem Feld gibt es in der Wissenschaft und Forschung nicht sehr viele wirklich unabhängige Experten, da die Gesundheits- und Pharmaindustrie über viel Geld verfügt, das sie auch entsprechend einsetzt, um Experten an sich zu binden (bzw. zu ‚kaufen‘).
Zum Thema ‚Unabhängigkeit von Experten‘, gerade in diesem Metier, hat sich der frühere Staatsanwalt Erich SCHÖNDORF ausführlich geäußert, der Anfang der 90er Jahre nach 10jährigen Ermittlungen die Anklage im so genannten Holzschutzmittel-Prozess (Fa. Desowag, ehemalige Tochterfirma der BAYER AG), einem der größten Umweltverfahren in Deutschland, vertreten und aus Frust der Justiz den Rücken gekehrt hatte (vgl. im Buch S. 340). Prof. Dr. Erich SCHÖNDORF ist inzwischen Hochschullehrer an der Fachhochschule Frankfurt (www.fh-frankfurt.de), wo er die Fächer Öffentliches Recht und Ökologie lehrt. Zum Thema hat er zwei wichtige Arbeiten geschrieben:
- einen unbedingt lesenswerten Aufsatz, abgedruckt im SPIEGEL (23/1999: 42-46): „Die Lügen der Experten“ sowie
- ein ausführliches Buch, das die Problematik des Holzschutzmittelprozesses dokumentiert (Nachweisbarkeit der „Ursächlichkeit“ zwischen der Ursache ‚hochtoxikologische Substanzen‘ in den Holzschutzpräparaten und der Folgewirkung ‚Krankheiten‘ bei rund 4.000 Betroffenen): SCHÖNDORF, Erich (1998): Von Menschen und Ratten. Über das Scheitern der Justiz im Holzschutzmittel-Skandal. Göttingen: Verlag Die Werkstatt.
SCHÖNDORF verfügt über umfangreiche Kenntnisse aus dem Bereich der Umweltkriminalität (insbes. Chemie) sowie zu den spezifischen juristischen Problemen im Umgang mit Kausalnachweis und Schuldbemessung bei Umweltdelikten. Ein weiterer Interessensschwerpunkt ist das Thema „Amalgam“. Er gilt als ausgesprochen kooperativ und hilfsbereit: Tel.: 069 – 1533 – 27 23). Erreichbar auch über |
Zum Thema „Amalgam“ kennt sich nicht nur medizinisch, sondern auch juristisch aus Dr. Rainer TIETZSCH aus Berlin; erreichbar via |
Einen guten Ruf als Gutachter im Gesundheitswesen hat das Berliner Institut für Gesundheits- und Sozialforschung GmbH (IGES) – auch wenn die letzten Studien „Analog-Wirkstoffe im Arzneimittelmarkt“ und „Die Bedeutung von innovativen Arzneimitteln für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland“ (Auftraggeber jeweils der Verband Forschender Arzneimittelhersteller), für leichte Irritationen in der journalistischen Fachwelt gesorgt haben. Beide sind 2002 erschienen. Näheres zu IGES unter: |
Im Bereich Gesundheitspolitik und Gesundheitssystem, das kurz vorm Kollabieren ist, zählt Prof. Dr. med. Dr.sc. Karl LAUTERBACH, Direktor des Instituts für Gesundheitsökonomie und Klinische Epidemiologie an der Uni Köln (Tel.: 0221 – 46 79 – 0), zu den führenden Köpfen in der wissenschaftlichen und politikberatenden Zunft. Er ist Absolvent der Harvard School of Public Health, lehrt seit 1995 in Köln und wurde 1998 in den Sachverständigenrat des Bundesgesundheitsministeriums berufen. DIE ZEIT hat vor kurzem ein aufschlußreiches Portrait von ihm gezeichnet (Nr. 35 v. 22.8.2002, S. 28): |
Prof. Dr. Martin PFAFF, z.Zt. für die SPD im Deutschen Bundestag, ist ebenfalls Spezialist in diesen Fragen, die er z.Zt. politisch umzusetzen versucht. Bis zu seinem politischen (Ganztags-)Mandat lehrte er an der Uni Augsburg die Fächer Volkswirtschaftslehre, Finanzwissenschaft und Sozialpolitik, insbesondere Gesundheitspolitik. Erreichbar über den Bundestag bzw. via martin.pfaff@bundestag.de
Journalistisch und tagespolitisch aktuelle Themen und Problenfelder:
zum Beispiel UMTS-Smog und Hausantennen:
Handys kommunizieren miteinander über Antennen. So setzt sich z.B. das ‚alte‘ bzw. immer noch aktuelle GMS-Netz aus rd. 41.000 Antennen-Basisstationen in Deutschland zusammen.
Für das sehr viel leistungsfähigere UMTS-Netz werden weitere rd. 100.000 solcher Antennenstationen benötigt.
Das Problem aus medizinischer Sicht besteht darin, dass die Langzeitwirkungen der UMTS-Strahlung bisher überhaupt noch nicht erforscht ist. Über die Elektrosmog-Wirkungen der bisherigen Handy-Technik-Generation gibt es widersprüchliche Erkenntnisse bzw. Gutachten.
Begreiflich ist, dass sich immer mehr Bürger, insbesondere in ihrer Eigenschaft als betroffene „Mieter“ oder unmittelbare Nachbarn gegen die neue ‚Verkabelung‘ mit UMTS-Antennen zu wehren beginnen.
Die Regulierungsbehörde für Post und Telekommunikation (RegTP) in Bonn unterhält eine Datenbank, in der alle künftigen Sendestationen eingetragen sind. Allerdings wird der Zugang zu diesen Informationen ‚normalem Bürgern‘ mit dem Argument des Datenschutzes verwehrt. Nur die Mitarbeiter der Kommunen, die mit der Planung usw. betraut sind, können Einblick nehmen. Die Zugangsmodalitäten für nicht-kommunale Beschäftigte werden jedoch von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich ausgelegt. In den Ländern SH, B, Brandenburg
und NRW hilft es, sich auf das dort vorhandene Informationsfreiheitsgesetz zu berufen.
Die Datenbank mit den aktuellen Standorten von allen rd. 52.000 bundesweiten Sendeanlagen inklusive von Meßergebnissen (elektromagnetische Strahlungen) ist seit Januar 2004 allen zugänglich und direkt ansteuerbar über die RegTB:
|
Die Elektrosmog-Gegner sind im Internet zu finden unter:
|
Die Mobilfunkbetreiber haben die URL |
Die Regulierungsbehörde für Post und Telekommunikation, die auch das Aufstellen der Antennen überwacht, unterhält in den Bundesländern auch Zweigfilialen. Erreichbar über |
In einigen Städten gibt es auch Mietervereine, die sich über rein Mieterschutzfragen hinaus mit aktuellen Fragen und Problemem befassen und in solchen Fällen auch Informationen und Auskünfte zur Rechtslage geben können. Adressen über den Deutschen Mieterbund, Berlin: |
Inzwischen gibt es eine vom Bundesamt für Strahlenschutz installierte Datenbank, in der Studien und Untersuchungen zu den Themenfeldern Hochspanungsleitun´gen, Handys, E-Smog und Gesundheit gesammelt werden und frei zugänglich sind: rund 8.000, die meistens allerdings in englischer Sprache: |
zum Beispiel Abrechnungsbetrug im Gesundheitswesen:
In Mainz arbeitet der OStA Klaus PUDERBACH schon lange an diesem Thema und hat auch schon viele Durchsuchungen initiiert, die nach entsprechenden Gerichtsverfahren für viele Ärzte mit hohen Geldstrafen endeten. Darüber hatte er beispielsweise auf einer Diskussionsveranstaltung berichtet, die im Rahmen des Gründungstreffens des netzwerk recherche-Vereins am 30.3.-1.4.2001 in Simmerath-Erkensruhr (Eiffel) stattfand. Er gilt als ausgewiesener Experte in diesem Bereich.
Auf Seiten der Krankenkassen beschäftigt sich z.B. Jörg TRINOGGA mit manipulierten Abrechnungen. Er sprach darüber auf der Tagung „Korruption: Fakten – Trends – Gegenstrategien“, die netzwerk recherche, Transparency International und der Bund der Steuerzahler veranstaltet hatten. Sein Bericht „Von manipilierten Abrechnungen – Erfahrungen der Krankenkassen“ ist dokumentiert in der gleichnamigen Veröffentlichung
Korruption: Schatten der demokratischen Gesellschaft. Fakten – Trends – Gegenstrategien,
die über einen der drei Veranstalter erhältlich ist.
Erreichbar über die AOK Brandenburg (ist dort Pressesprecher)
Im gleichen Tagungsband hat auch Markus JANTZER seinen Vortrag „Korruption im Gesundheitswesen“ dokumentiert. Er ist Journalist und arbeitet u.a. für die Medical Tribune und den epd, Frankfurt/M.
Um Abrechnungsbetrügern auf die Schliche zu kommen, hat auch die AOK Niedersachen mit Sitz in Hannover die „Untersuchungsgruppe Falschabrechnung“ gegründet. Die AOK Hannover zählt zur schlagkräftigsten Truppe innerhalb der Kassenlandschaft. (oft kopiert, nie erreicht). Leiter der Gruppe ist Peter Scherler. Er ist ein Kenner der ganzen Bandbreite von Abrechnungsmanipulation von Leistungserbringern im Gesundheitswesen. Ambulante Pflegedienste, Krankenhäuser, Vertragsärzte, Zahnärzte, Labore, Pflegeheime …. – alle Gesundheitsakteure, die der Gesetzlichen Krankenversicherung ihre Leistungen in Rechnung stellen sind bei ihm schon auf der „Schwarzen Liste“. „Es gibt nichts was es nicht gibt“, sagt Scherler ( Tel. 0511 - 8701 - 131 10). Weil er so viel zu tun hat, wäre es besser, vorher die sehr kooperative Pressestelle, in persona Klaus Altmann zu kontaktieren, Tel. 0511 - 8701 - 100 10.
Am 19.11.2002 hat beispielsweise die ZDF-Sendung „Frontal21“ einen gigantischen Abrechnungsbetrug mit falschem Zahnersatz dokumentiert: Für 40 Euro in Thailand hergestellt wurden Metallkeramikzähne in Deutschland für 200 Euro über die Kassen abgerechnet (und ‚eingebaut‘). Die Differenz teilten sich die Fa. Globudent und skrupellose Zahnärzte. Die AOK Niedersachsen und die Staatsanwaltschaft gehen davon aus, dass sich bis zu 2.000 Zahnärzte an diesem Deal beteiligt haben. Auch diese Geschichte, die der ZDF-Journalist Herbert KLAR, recherchiert sowie mit Bildern und verräterischen O-Tönen dokumentiert hat, ist Ergebnis einer gewissen „Kooperation“ und „Arbeitsteilung“ zwischen Redaktion und behördlichen Institutionen (siehe dazu im Buch auf S. 150 ff, 240 ff). Begonnen hat diese Affäre mit verdeckten Recherchen seitens der AOK Niedersachsen im September 2001. Seit Mai 2002 sind auch der Journalist und die Frontal21 – Redaktion dabei. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft in Wuppertal und Duisburg. Informationen unter |
Juristisches Know-how über den Gesundheitsbereich hat u.a. der RA Maximilian BROGLIE, der einen juristischen Kommentar über das Gesundheitswesen geschrieben hat. Er ist aktives Mitglied bei Transparency International (TI)und über die deutsche Sektion ansprechbar. Auch er hatte bei dem Gründungstreffen von netzwerk recherche im Frühjahr 2001 referiert.
TI hat sich im Übrigen seit einiger Zeit gerade dieses Thema auf die Fahnen geschrieben: Transparenzmängel und Korruption im Deutschen Gesundheitswesen. Dazu hält TI mehrere Broschüren und Informationen auf folgender Website bereit: |
TI hat außerdem die Anti-Korruptionsauszeichnung, den ''TI Integrity Award'', der 2002 an drei aufrechte Personen (Richterin in der Slowakei, brasilianischer Geschäftsmann) geht, u.a. dem deutschen Pharmakologen und Gesundheitssystemkritiker, Prof. Dr. med. Peter S. SCHÖNHÖFER aus Bremen, verliehen. SCHÖNHÖFER ist dort Direktor des Instituts für Klinische Pharmakologie und Mitherausgeber des unabhängigen Arnzeimittel-Informationsdienstes ''arznei-telegramm'': |
SCHÖNHÖFER spricht und schreibt eine schonungslos offene und klare Sprache. Einer seiner vielen Reden ist auf dem Server von TI nachzulesen: ''Missbrauch, Betrug und Verschwendung. Der undurchsichtige Wildwuchs im Gesundheitswesen spottet jeder Kontrolle''. URL: |
Zum Problem des politischen Machtkampfs im Gesundheitswesen, den die Gesundheitsministerin Ulla Schmidt gegen eine der weltweit mächtigsten Industriebranchen, gegen die Pharmakonzerne und deren eingefleischten Lobbyisten führt, gibt es im SPIEGEL Nr. 14/2003, S. 84-97, einen sehr ausführlichen und faktenreich recherchierten Artikel des SPIEGEL-Journalisten Harald SCHUMANN (Buch "Die Globalisierungsfalle"), den man im digitalen SPIEGEL-Archiv gegen eine Gebühr von 40 Cent lesen und mittels paste & copy downloaden kann. Titel: "Jäger der Patentmilliarden". Bzw. im Archiv unter der Überschrift: "Gesundheit: Wie die mächtige Pharmalobby die Kosten treibt - und die eigenen Gewinne mehrt": |
Oder man kopiert die insgesamt 9 notwendigen Seiten in einer Bibliothek.
Wegen inhaltlicher Überschneidungen vergleiche auch die Seite 4.4.4.6 ! |
|
|
|
|