|
|
4.4.4.3 - Verbraucherschutz im Allgemeinen |
www.recherchieren.org: Die Informationsplattform 4.4.4 |
letzte Änderung: 2006-11-26 |
|
4.4.4.3 - Verbraucherschutz im Allgemeinen |
|
|
Die Angelegenheiten von Konsumenten sind immer sehr viel schwieriger zu organisieren und durchzusetzen als jene von Produzenten. Dies hängt unter anderem mit der unterschiedlichen „Größe“ der Betroffenen zusammen: Die Anzahl der produzierenden und verkaufenden Unternehmen ist weitaus geringer als die anonyme Schar von über 64 Millionen Konsumenten (ab 14 Jahre gerechnet) in Deutschland. Eine vergleichsweise überschaubare und homogene Gruppe, die ohnehin mehr oder weniger einheitliche Ziele verfolgt, auf eine gemeinsame Marschroute einzuschwören, ist so schwierig nicht.
Ein weiterer Grund: Unternehmen können alle Aufwendungen für ihre Lobbyarbeit als Betriebsausgabe von Gewinn und Steuer absetzen; Verbraucher haben diese Möglichkeit nicht. Gleiches gilt für die Ausgaben, um Prozesse zu führen.
All dies führt dazu, dass es komplizierter und aufwändiger ist, die Interessen von Verbrauchern unter einen Hut zu bekommen. Weil deshalb nur wenige bereit sind, dafür auch Geld auszugeben, gibt es eben auch vergleichsweise wenig Institutionen, die sich mit derlei Fragen „im Allgemeinen“ befassen. Spezifische Verbraucherinteressen zu definieren, z.B. die Interessen von Mietern, ist weit einfacher. Aus diesem Grund gibt es in solchen „Branchen“ ungleich mehr Initiativen usw. Diese finden sich hier auf den jeweiligen Seiten bzw. Kapitel-Abschnitten.
Wie auch immer:
Wichtigster Ansprechpartner für Verbraucherfragen im Allgemeinen sind die Verbraucherzentralen (VZ) in den einzelnen Bundesländern, insgesamt 16 an der Zahl. Sie sind allesamt zusammengeschlossen unter einem gemeinsamen Dach, dem „Bundesverband der Verbraucherzentralen und Verbraucherverbände – Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV)“ mit Sitz in Berlin: |
Dort sind unter „Organisation“ und dann „Links“ die Adressen sämtlicher VZ’s aufrufbar. Früher hieß das gemeinsame Dach AGV – Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände und saß in Bonn.
Carel MOHN von der VZBV-Stabsstelle „Presse- und Öffentlichkeitsarbeit“ war zuvor lange Jahre in gleicher Funktion Öffentlichkeitsarbeiter bei Transparency International (TI) und kennt sich sehr gut aus im Metier.
Ansonsten arbeiten die ausgewiesenen und engagierten Experten des VZBV in unterschiedlichen „Fachbereichen“: 1) Finanzdienstleistungen, 2) Bauen, Energie, Umwelt, 3) Gesundheit und Ernährung, 4) Wirtschaftsfragen (z.B. e-commerce, Datenschutz, Urheberrecht, Medien u.a.m.), 5) Verwaltung (enthält auch das ehemalige Verbraucherinstitut Berlin). Tel: 030 – 25 800 - 0
In Österreich beschäftigt sich mit Verbraucherfragen die Kammer für Arbeiter und Angestellte (Bundesarbeiterkammer) in Wien, Abt. Konsumentenpolitik: www.akwien.or.at in der Prinz-Eugen-Str. 20-22, 1040 Wien. Sie macht auch Beratung: |
Natürlich gehört auch die Stiftung Warentest zu den relevanten Ansprechpartner: |
Sie wurde 1964 von der Bundesregierung als unabhängige Stiftung bürgerlichen Rechts gegründet, um vergleichende Warentests und Dienstleistungsuntersuchungen durchzuführen. Bekanntermaßen gibt sie zwei Zeitschriften heraus: „Stiftung Warentest“ bzw. „test“ und „FINANZtest“. Für die vielen Tests und Expertisen aus den unterschiedlichsten Branchen und Bereichen verfügen die Stiftung und ihre Mitarbeiter über ein ausgesprochen breit und tief angelegtes Experten-Netzwerk. Neben den beiden Redaktionen unterhält die Stiftung einen wissenschaftlichen Mitarbeiterstab von rund 60 Beschäftigten – Experten in ihren jeweiligen Arbeitsfeldern, deren Arbeiten und Untersuchungen die Grundlage für die Zeitschriftenredaktionen sind: Die Redakteure übersetzen das, was die Wissenschaftler untersucht und getestet haben, ins Allgemeinverständliche.
In der Ausgabe September 2002 ist der Redaktion von „FINANZtest“ ein Fauxpas passiert: Zu spät hatte man einen Rechenfehler erkannt, der die Test- bzw. Bewertungsergebnisse des neuen Produktes „Riester-Rente“ einigermaßen verfälscht hatte. Die Abos und die meisten Kioskexemplare waren da schon verteilt. Ein „professionelles“ Management erweist sich jedoch immer bei der Bewältigung von Problemen, denn viele Probleme kann man schlichtweg nicht verhindern, sprich bereits im Vorfeld „managen“. Vorstand und Redaktion taten demnach das einzig Richtige: das Problem beim Namen benennen, den eigenen Fehler also thematisieren (und nicht auszusitzen) sowie für rasche Lösungen zu sorgen. Auch das letztere geschah: sofortige Korrektur im Internet, nachträgliche Korrektur im nächsten Heft.
Es gibt eine Reihe kleinerer Initiativen und Organisationen:
Schutzgemeinschaft der Verbraucher in Augsburg: |
Der Verein „Ärger e.V.“, ein „Online-Magazin für Verbraucherschutz und Verbraucherberatung“ aus Solingen hat die URL |
Was die so genannten Wettbewerbs- und Umgangspraktiken im Geschäftsleben anbelangt, die z.T. im Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) geregelt sind (z.B. irreführende Angaben bzw. Werbung; Schneeballsystem-Marketingaktionen; unzulässiger Räumungsverkauf; unzulässige Sonderangebote und Sonderveranstaltungen etc.), so gibt es hier zu Lande so genannte Wettbewerbsverbände, die ggfs. jene, die sich nicht an die gesetzlichen Spielregeln halten, auf Unterlassung verklagen.
Eine der bekanntesten und größten ist die
Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs e.V., Bad Homburg,
die sich als Selbsthilfe-Institution der Wirtschaft versteht und gegen unlautere Wettbewerbspraktiken vorgeht, aber auch beratende Tätigkeiten für Unternehmen, Politik und Justiz durchführt. Au0erdem überwacht sie die Tätigkeit unseriöser „Abmahnvereine“: |
Auf der Website gibt es eine Liste mit den Namen und Adressen aller vom Bundesjustizministerium als „Wettbewerbsverbände“ offiziell anerkannten Vereine (siehe auch unter 4.4.4.6). Unter „Rechtsvorschriften“ sind alle relevanten Gesetzestexte online abrufbar.
Seit der ersten Legislaturperiode der Rot-Grünen-Koalition (seit 1998) gibt es ein „Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft“ (BMVEL) – Verbraucherschutz ist seither und zum ersten Mal wirklich ‚Chefsache‘. Auf der Internetseite gibt es viele Infos und thematische Angebote sowie wichtige Links, die man kennen sollte: |
Andererseits befasst sich natürlich auch das Bundesjustizministerium mit diesen Dingen, weil alle neuen Regelungen in eine juristische Form und in den größeren Zusammenhang der geltenden Rechtsordnung mit ihren Abertausenden Paragraphen gebracht werden muß. Aus diesem Grund sind Verbraucherschutzaspekte in fast allen Referaten etabliert, so dass man sich im Zweifel bei der Pressestelle erkundigen sollte, in welches Fachgebiet bzw. Fachreferat das eigene Wissensbegehren fallen könnte: z.B. Schuldrecht (im Zusammenhang mit der Schuldrechtsreform von 2002), Mietrecht, Schiedsgerichtsbarkeit, Familienrecht, Patentrecht, Bank- u. Versicherungsrecht, Fragen im Zusammenhang mit (gefälschten) Bilanzen usw. Die Pressestelle ist via 030 – 2025 – 90 34 oder via email poststelle@bmj.bund.de |
Verbraucherfragen geraten immer mehr auch ins Visier von Hochschulen: Nach und nach kann sich diese Problematik auch dort etablieren.
Eine wichtige Adresse ist das Institut für Haushalts- und Konsumökonomik am Fachbereich 5 (Wirtschafts- und Sozialwissenschaften) der Universität Hohenheim |
Der bekannte Fachvertreter, Prof. Dr. G. SCHERHORN ist inzwischen offiziell emeritiert (pensioniert), aber immer noch aktiv. Tel. seines Lehrstuhls: 0711 – 459 – 34 38 bzw. die des Instituts: 459 – 28 16 (Prof. Dr. H.MÜHLENKAMP).
SCHERHORN’s Forschungsthemen sind nach eigenen Angaben: „Die Behandlung von Verbraucherbeschwerden in Unternehmen und Behörden. Das nformationsdefizit der Verbraucher, z. B. beim Abschluß von Versicherungsverträgen. Die gesamtwirtschafliche Bedeutung der Eigenarbeit'' und des ''informellen Sektors'' der Volkswirtschaft. Preis und Marke als ualitätsindikatoren. Probleme der Qualitätsbeurteilung von Dienstleistungen. Die ethische Komponente der Güterqualität (Beispiel: Fleisch aus Massentierhaltung). Umweltbewußtsein und Umweltverhalten beim Kauf und beim Konsum. Organisierbarkeit von Verbrauchern. Effizienz der Verbraucherberatung. Wirkungen des Werbefernsehens. Werbung als Verbrauchererziehung. Vergleichende Warentests. Konsumgewohnheiten. Ladenöffnungszeiten. Direktvertrieb. Irreführende Werbung. Kaufsucht. Postmaterielle Werthaltungen. Schwierigkeiten selbstbestimmten Konsumentenverhaltens.“
Das imug – Institut für Markt-Umwelt-Gesellschaft in Hannover beschäftigt sich ebenfalls mit solchen Fragen. Der Initiator, Gesellschafter und Vorstand, Ingo SCHOENHEIT, hatte früher das Verbraucherinstitut Berlin mit aufgebaut (aufgegangen inzwischen im VZVB) und leitet seit 1992 das imug, das sich auch mit ethischer Kapitalanlage befasst. SCHOENHEIT, der auch zu den praxisnah ausgewiesenen Experten zählt, ist seit langer Zeit auch Lehrbeauftragter an der Uni Hannover am Lehrstuhl Marketing. Adressen: |
Mehr auf die traditionelle Haushalts- und Lebensführungsfragen hin ausgerichtet sind Studiengänge an einigen Fachhochschulen.
An der Fachhochschule Albstadt-Sigmaringen – Hochschule für Technik und Wirstchaft wurde z.B. gerade ein (Master-)Studiengang Food Chain Management eingerichtet: |
|
|
|
|