Recherchieren.org

  Home
  Neu
  Übersicht

  Kapitel 1
  Kapitel 2
  Kapitel 3
  Kapitel 4
  Plattform 4.4.4
  Kapitel 5
  Kapitel 6
  Kapitel 7
  
  Autor

 Webseite zum Buch Investigativer Journalismus von Johannes Ludwig
SUCHE 

4.4.4.5 - Banken, Versicherungen, Finanzdienstleistungen

www.recherchieren.org: Die Informationsplattform 4.4.4
letzte Änderung: 2006-11-26

4.4.4.5 - Banken, Versicherungen, Finanzdienstleistungen


Zunächst sei auf die entsprechenden Hinweise und Adressen im Buch verwiesen, insbes. die Seiten 258 ff sowie 351 f.


Ganz generell sind die Verbraucherzentralen relevante Ansprechpartner, weil alle Büros Beratung auch zu diesen Themenfeldern durchführen. Adressen siehe unter 4.4.4.3 Verbraucherschutz im Allgemeinen.
Besonders hervorgehoben in diesem Zusammenhang seien die Aktivitäten und das spezifische Know-how der Verbraucherzentralen NRW, Baden-Württemberg und Berlin. In Düsseldorf ist dies vor allem Thomas BIELER (0211 – 38 09 - 179), in Stuttgart die Geschäftsführerin der VZ, Monika KETTERER (0711 – 6691 – 10), in Berlin Dr. Peter LISCHKE und Volker PIETSCH. Die beiden Letzteren sind insbesondere Experten in Sachen dubiose Geldgeschäfte. Siehe dazu den nächsten Eintrag:


In Sachen Kapitalanlagen(betrug) und „Grauer Kapitalmarkt“ sind u.a. auch die Verbraucherzentralen (VZ) sehr aktiv, insbesondere die VZ Berlin Verbraucherzentrale VZ Berlin: 030 – 214 85 – 0, Pressestelle: - 250.
Die beiden „Aktiven“ sind Dr. Peter LISCHKE: – 233 und Volker PIETSCH:– 230.

Die Verbraucherzentrale Berlin arbeitet auf diesem Gebiet sehr eng mit der Staatsanwaltschaft bzw. mit allen Schwerpunktstaatsanwaltschaften für Wirtschaftskriminalität zusammen, da sie selbst relevante Informationen seitens ‚Kunden‘ bzw. Betroffener weitergeben (können) und umgekehrt Informationen auch erhalten – ein typisches Beispiel für die Bildung sogenannter eigentlich ‚unmöglicher‘ Kooperationen. Auf der anderen Seite sind die VZ‘s bzw. auch jene in Berlin ausgesprochen an Medienkontakten interessiert. Die VZ Berlin, die sich auch in anderen Fragen und Problemen aus Prinzip recht weit ‚aus dem Fenster hängt‘ (so hat sie beispielsweise die der Ärztekammer Berlin gerichtlich untersagte Veröffentlichung der sog. Roten Liste in eigener Regie als „Kieler Liste“ herausgenbracht und damit die Strategie der Pharmaindustrie, preiswertere Ersatzmedikamente nicht ohne weiteres publik zu machen, unterlaufen) veröffentlicht regelmäßig, d.h. in größeren zeitlichen Abständen eine Liste mit negativ aufgefallenen Kapitalanlage-Unternehmen (siehe Liste im Ordner!). Auch dabei muß die VZ Berlin regelmäßig juristisch tief ‚in die Eisen steigen‘, da sich die betroffenen Firmen in der Regel mit Straf- und Zivilprozessen zu wehren versuchen. Allerdings sehen die VZ’s auch dies als ihre ureigene Aufgabe an, solche Begleiterscheinungen offensiv durchzustehen.
www.verbraucherzentrale-berlin.de


Ebenfalls rührig war der bisherige Verbraucherschutzverein Berlin, einen seriösen Abmahnverein, der gerade in Sachen Bankenkonditionen und Geschäftsbedingungen („AGB“ und „Kleingedrucktes“) viele verbraucherfreundliche Urteile bis hin zum BGH durchgefochten hat.
Inzwischen ist diese Institution im Bundesverband der Verbraucherzentralen und Verbraucherverbände – Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) mit Sitz in Berlin aufgegangen:
www.vzbv.de
– Dachorganisation für die 16 Verbraucherzentralen in den einzelnen Bundesländern und für weitere 19 verbraucherpolitisch ausgerichtete Verbände. Auf der VZBV-Website sind alle VZ-Adressen unter „Organisation“ und dann „Links“ aufrufbar.
Die ausgewiesenen und engagierten Experten des VZBV arbeiten in unterschiedlichen „Fachbereichen“ und einer davon nennt sich „Finanzdienstleistungen“. Dort kann man nachfassen.


In diesem Zusammenhang ist natürlich auch die Stiftung Warentest zu nennen:
www.stiftung-warentest.de
, die bekanntermaßen zwei Zeitschriften herausgibt: „Stiftung Warentest“ bzw. „test“ und „FINANZtest“. Die Redaktion der letzteren Zeitschrift arbeitet sehr eng mit anderen Initiativen in der gleichen Branche zusammen. Neben den beiden Redaktionen unterhält die Stiftung einen wissenschaftlichen Mitarbeiterstab von rund 60 Beschäftigten – Experten in ihren jeweiligen Arbeitsfeldern, deren Arbeiten und Untersuchungen die Grundlage für die Zeitschriftenredaktionen sind: Die Redakteure übersetzen das, was die Wissenschaftler untersucht und getestet haben, ins Allgemeinverständliche.
In der Ausgabe September 2002 ist der Redaktion von „FINANZtest“ ein Fauxpas passiert: Zu spät hatte man einen Rechenfehler erkannt, der die Test- bzw. Bewertungsergebnisse des neuen Produktes „Riester-Rente“ einigermaßen verfälscht hatte. Die Abos und die meisten Kioskexemplare waren da schon verteilt. Ein „professionelles“ Management erweist sich jedoch immer bei der Bewältigung von Problemen, denn viele Probleme kann man schlichtweg nicht verhindern, sprich bereits im Vorfeld „managen“. Vorstand und Redaktion taten demnach das einzig Richtige: das Problem beim Namen benennen, den eigenen Fehler also thematisieren (und nicht auszusitzen) sowie für rasche Lösungen zu sorgen. Auch das letztere geschah: sofortige Korrektur im Internet, nachträgliche Korrektur im nächsten Heft.


In Österreich beschäftigt sich mit Verbraucherfragen die Kammer für Arbeiter und Angestellte (Bundesarbeiterkammer) in Wien, Abt. Konsumentenpolitik:
www.akwien.or.at
in der Prinz-Eugen-Str. 20-22, 1040 Wien. Sie macht auch Beratung.


Eine wichtige Institution ist auch die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre mit Sitz in München, die regelmäßig von sich reden macht. Sie pflegt im Internet u.a. das Anlageschutzarchiv, eine alphabetisch aufrufbare Datenbank, um „Schwarze Schafe“ nach Firmen- und Personennamen identifizieren zu können:
www.anlageschutzarchiv.de
Die Schutzgemeinschaft selbst ist unter
www.sdk.org
erreichbar. Ansonsten hält sie auf ihrer Website viele Infos und Dokumente zu aktuellen Themen bereit, die für Kleinaktionäre und andere Interessierte relevant sein können.


Ein „Bündnis gegen Bankenmacht“ ist über den Verein Business Crime Controll (BCC) zu erreichen:
www.wirtschaftsverbrechen.de/bankenmacht


Die ''Digitale Bibliothek'' der Friedrich-Ebert-Stiftung hat drei Tagungsberichte ins Netz gestellt:

  • Ohnmacht der Verbraucher gegenüber Banken und Versicherungen?
  • Aufsrichtsräte und Banken
  • Macht der Banken,

die unter folgender Adresse (nach Eingabe des Wortes ''Banken'' in die Suchmaske) einsehbar und downloadbar sind:
www.fes.de/library/ask_digbib.html


Für die Geschädigten und Opfer von Banken und Bankenmacht und für solche, die im aktuellen Clinch mit profesionellen Kapitalgebern, Geldverleihern und Gläubigern liegen, engagiert sich der „Roter Ring e.V. – Gemeinnütziger Verein zur Unterstützung von Wirtschaftsopfern und zur Verhütung von Wirtschaftskriminalität“, der sich als Pendant zum Weißen Ring (Geschädigte von Kapitalverbrechen) versteht. Er kooperiert mit vielen ähnlichen Initiativen und Selbsthilfeorganisationen:
www.roter-ring.de


Eine ähnliche Initiative stellt der ''Verein zur Existenzsicherung'' in 85757 Karlsfeld dar. Macher‘ ist Hans TILLICH:
www.vfe.de


Ebenfalls ähnlich aktiv:
www.schutzbund-der-kreditnehmer.de


Eine umfangreiche Link-Liste, insbesondere für den Bereich Geldanlage und Immobilien, die allerdings seit 2000 nicht mehr aktualisiert wird, ist zu finden bei
www.wolfgang-kynast.de


Einen aktiven und wirksamen Gegenpart zu den großen Versicherungskonzernen stellt der Bund der Versicherten (BdV) mit Geschäftssitz in 24547 Henstedt-Ulzburg dar. Der BdV hat schon manche Grundsatzfragen vor Gericht bis vor den BGH gebracht und in den meisten Fällen auch eine verbraucherfreundliche Rechtsprechung initiieren können. Außerdem tischt er regelmäßig grundsätzliche Fragen und Probleme auf, so z.B. Mitte der 90er Jahre die Diskussion um die gigantischen stillen Reserven der Versicherer. Empfehlens-, weil lesenswert das Buch von Hans Dieter MEYER: Das Versicherungs(un)wesen. Eine Branche jenseits von Recht und Wettbewerb. München: Heyne-Verlag.
Geschäftsführer des BdV ist inzwischen Frank BRAUN. Der Gründer und langjährige Vorstand Hans Dieter MEYER, auf den die Organisation des rd. 45.000 Mitglieder starken Verbandes persönlich sehr stark zugeschnitten war, ist inzwischen ins Gerede gekommen und hält sich daher im Hintergrund (vgl. SPIEGEL 31/02: 48 f). Dies ändert nichts an der Bedeutung und (verbraucher-)politischen Schlagkraft dieses Vereins:
www.bundderversicherten.de


Im Bereich von Forschung und Wissenschaft gibt es nicht sehr viele wirklich unabhängige Experten, da es gerade im Banken- und Versicherungswirtschaftsbereich erstens sehr enge Verflechtungen zwischen der Branche und den Aufsichtsbehörden gibt, und zweitens die Branche über ausreichend Geld verfügt, nicht nur eigene Experten z.B. in Form von Professoren auf so genannten Stiftungs-Lehrstühlen zu beschäftigen, sondern auch eigene Fachzeitschriften herauszugeben. Letzteres ist wichtig, um beispielsweise die Rechtsprechung via Einflußnahme über den (selbst gesetzten) „Stand der Diskussion'' zu beeinflussen.

Zur Verflechtung zwischen Bankensektor und Fachaufsicht (vormals Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen, Berlin, heute Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht in Bonn) schrieb der an der Uni Bayreuth (Fakultät Rechts- u. Wirtschaftswissenschaften) lehrende Kartellrechtsexperte und Richter am OLG Nürnberg, Prof. Dr. Volker EMMERICH, schon 1975 in seinem Standardwerk „Wettbewerbsrecht. Eine Einführung“ (inzwischen in 8. Auflage erschienen): Bestimmte Notwendigkeiten lassen sich politisch nicht durchsetzen – „wegen der engen Verbindung zwischen Fachaufsicht und beuafsichtigten Wirtschaftszweigen.“ Denn beispielsweise das (damalige) Bundesaufsichtsamt ist mehr oder weniger identisch mit dem Bankenverband – das Ganze ist eine „durchgehende Karriere“: Man fängt als Jungakademiker bei der Bankenlobby an, steigt dort auf, wird in das Aufsichtsamt berufen und kehrt wieder in die Bankenwelt zurück – „ein richtiger Skandal“, so EMMERICH.


Für den Bereich der Banken lehrte als unabhängiger Experte an der Katholischen Universität Eichstätt, Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät, Lehrstuhl für ABWL (Allgemeine Betriebswirtschaftslehre), Finanzierung und Bankbetriebslehre (mit Sitz in Ingolstadt) lange Jahre Prof. Dr. Leo SCHUSTER, Verfasser des Buches „Macht und Moral der Banken“. Er ist inzwischen emeritiert, aber imme noch regelmäßig an seinem Institut zu erreichen: leo.schuster@ku-eichstaett.de. Nachfolger ist Prof. Dr. Marco WILKENS.


Kritisch über Banken, insbesondere hinsichtlich deren Finanzierungs- und Kreditgewährungspraktiken äußert sich auch regelmäßig Prof. Dr. Heinrich BOCKHOLT von der Fachhochschule Koblenz, der dort am Fachbereich Betriebswirtschaft das Fachgebiet Finanzierung, Investition und Investitionscontrolling vertritt:
www.fh-koblenz.de
BOCKHOLT ist zugleich Vorstand des Bundesverband Bau-Finanz-Berater in Wiesbaden:
www.bundesverband-finanz-planer.de


Im Bereich der Versicherungswirtschaft wäre an unabhängigen Wissenschaftlern z.B. Prof. Dr. Helmut AUFENANGER von der Fachhochschule Düsseldorf zu nennen. Er beschäftigt sich vor allem mit den Bilanzen und Bilanzierungstricks:
www.fh-duesseldorf.de


Mit ganz allgemeinen Rechtsfragen und merkwürdigen Rechtspraktiken der Versicherer beschäftigt sich u.a. Prof. Dr. Jürgen BASEDOW am Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht in Hamburg. Er hat einen kritischen Kommentar zum AGB-Gesetz („Münchner Kommentar“) geschrieben, was die Versicherungsunternehmen anbelangt. Erreichbar über basedow@mpipriv-hh.mpg.de bzw.
www.mpipriv-hh.mpg.de


Etwas schwieriger wird es mit handfesten Informationen und/oder Hilfe beim BAFin, der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht mit Sitz in Bonn, in der auch die früheren Bundesaufsichtsämter für das Versicherungswesen und jenes für das Kreditwesen, beide vormals Berlin, aufgegangen sind. In der Geld- und Versicherungsbranche praktiziert man vor allem eines: Diskretion. Denn über Geld spricht man nicht, man hat es! (Oder eben auch nicht). Trotzdem kann man sich bei diesem und jenem vorsichtig herantasten.Es gibt dort zumindest ein öffentliches Register, in dem z.B. alle Versicherungsunternehmen gelistet sind, die der Aufsicht unterliegen:
www.bafin.de


Eine der allerwichtigsten Adressen ist das Institut für Finanzdienstleistungen (IFF) in Hamburg: Unabhängige Forschung, unabhängige Verbarucherberatung und unabhängige Politikberatung stehen auf der Agenda. Das Institut arbeitet eng mit den Verbraucherzentralen im In- und Ausland zusammen und unterhält eine Kooperation mit der HWP - Hochschule für Politik und Wirtschaft in Hamburg. Im Internet erreichbar unter
www.iff-hamburg.de
Der Gründer und ehrenamtliche Direktor, Prof. Dr. Udo REIFNER, ist Hochschullehrer an der HWP und vertritt dort das Fach Wirtschaftsrecht. Er gilt als ausgewiesener Spezialist in rechtlichen und wirtschaftlichen Bankenfragen und ist Mitherausgeber der Zeitschrift „Verbraucher und Recht“.
Das Institut konzentriert sich auf die Bereiche Baufinanzierung, Verschuldung, Social Investment und Social Banking, Kreditrecht und Verbraucherschutz und Rentenfinanzierung. Die wissenschaftlichen Gutachten erscheinen im Nomos Verlag, Badeb-Baden (Schriften des Inst. f. Finanzdienstleistungen). Mehr populärwissenschaftliche Buchtitel haben die Mitarbeiter des IFF im Rowohlt-Verlag, Reinbek, veröffentlicht: zum Thema Umgang mit Schulden und Überschuldung; private versus gesetzliche Krankenversicherung; Ratenkredite; u.a.m.
Von besonderem Interesse ist jedoch ein spezielles Datenbanksystem und Portal namens „Money Advice“, das das IFF mit Partnern aus 7 Ländern entwickelt hat und allen Interessierten bzw. Anfragern offen steht:
www.money-advice.net
Dort sind inzwischen rd. 29.000 Datensätze zu allen Stichworten abgelegt (Stand August 2002), die mit Geld, Kapital, Anlage, Banken, Verschuldung, Skandale, Social Banking usw. zu tun haben, egal ob es sich um Gesetzestexte, Zeitungs- und Zeitschriftenberichte, Analysen oder Expertisen handelt. Alles, was drin ist, läßt sich als Volltext aufrufen (und ausdrucken). Das Finanzdienstleistungs-Informationssystem (FIS), das in dieser Form (verbraucherorientierte Informationen – keine Datenbank für ausschließlich konzerninterne Zwecke) europaweit einzigartig ist, wird finanziell von den Informationsanbietern selbst getragen und soll weiter ausgebaut werden.
Das vorhandene Expertenwissen ist nicht ganz einfach aktivierbar – der Aktiven haben dort alle Hände voll zu tun und eigentlich keine Zeit für Journalistenbetreuung. Wer dennoch telefonisch nachhaken möchte, sollte einen guten Grund dafür vorbringen können und vor allem bestens vorbereitet sein.


Wegen vielfacher Überschneidungen siehe auch unter 4.4.4.6 Korruption und Wirtschaftskriminalität !