Geschichte kann lebendig sein, denn vieles wirkt bis heute nach. 'Normale' Häuser und Straßen haben genauso ihre Geschichte wie Schlösser und Denkmäler bzw. so genannte historische Orte.
Historische Recherchen haben ihre eigenen Gesetzmäßigkeiten. Darüber wird im Buch auf den Seiten 360-367 gesprochen. Auf der Plattform 4.4.4.10 finden sich dazu weitere Hinweise (die aber im Augenblick noch nicht aktiv sind).
3 Fallbeispiele sollen Unterschiedliches zeigen:
Peter STÖFERLE von der Augsburger Allgemeinen hat Lagerstätten von Zwangsarbeitern in den 40er Jahren da rekonstruiert, wo es angeblich keine gab: ''Zwangsarbeit hatte eine Adresse''. Er beschreibt zunächst das Rechercheverfahren und lässt danach Revue passieren, wie er seine Ergebnisse publizistisch verwertet hat - die politische Debatte um die Entschädigung von ehemaligen Zwangsarbeitern Ende der 90er Jahre hat seinem Thema unerwartete Aktualität verliehen. So konnte er ein 'hoch angesiedeltes' Thema auf die lokale Ebene herunterbrechen.
Matthias BAERENS, ehemals freier Journalist, hat die ''Arisierung'' eines ehemals jüdischen Kaufhauses in seiner Heimatstadt Schwerin unter die Lupe genommen. Der 9. November 1938 - auch als ''Kristallnacht'' bezeichnet - war das Ende des Endes, das bereits 1933 begonnen hatte. Die Plünderung des ''Kaufhaus Kychenthal Schwerin'' mit Hilfe der Handelskammer war der nur materielle Schlussstein. Der 'Großvater' der Familie endete in Theresienstadt, die Familie konnte sich mit ihrem kleinen Sohn in letzter Sekunde nach Chile retten. BAERENS hat diesen Fall im Detail rekonstruiert und beschreibt zu Beginn, wie er auf diese Geschichte gekommen ist und was daraus wurde.
Das dritte Beispiel stammt aus der Schweiz. Stefan KELLER, Journalist bei der Züricher Wochenzeitung „WoZ“ (www.woz.ch), der Ende 1992/Anfang 1993 die Geschichte und Bedeutung des St. Gallener Polizisten Paul GRÜNINGER rekonstruiert hat, der 1938 jüdische Flüchtlinge ins Land gelassen hatte – entgegen allen Anweisungen und Gesetzen – und deswegen aus dem Dienst entlassen wurde (vgl. im Buch S. 33 f), hat 1998 ein ähnliches dramatisches Schicksal dokumentiert: den Fall Joseph SPRING.