Der Autor des hier folgenden Textes hatte sich 1997 an der Journalisten-Weiterbildung an der Freien Universität Berlin im Rahmen seiner Abschlussarbeit mit Zwangsarbeit während des Zweiten Weltkrieges in Neu-Ulm beschäftigt. Grund war unter anderem die Vermutung, dass der offizielle Arolsen-Katalog, der nach 1945 alle Lager und Displaced Persons zu erfassen versuchte, nicht alle Konzentrations- und Zwangsarbeitslager ausweist. Er wurde auch nie aktualisiert. Und die dort gesammelten Akten sind bis heute nicht öffentlich zugänglich - das Thema wurde lange Jahre vorzugsweise vermieden.
Der zentrale Suchdienst in Arolsen (Nähe Kassel) hatte nach 1945 rund 6 Mill. ausländische Zwangsarbeiter, etwa 2 Mill. Kriegsgefangene sowie rund 750.000 ausländische KZ-Häftlinge auf deutschem Boden erfasst. Für die Stadt Neu-Ulm sind 2 solcher Orte ausgewiesen.
Peter STÖFERLE von der Augsburger Allgemeinen Zeitung gelang es, anhand alter
Karteikarten die Stätten dieser Barbarei zu rekonstruieren: In Neu-Ulm hatte es nicht 2, sondern über 80 solcher Zwangsarbeitslager gegeben, in denen Firmen, die teilweise noch heute existieren, die Arbeitskraft verschleppter polnischer Bürger ausgequetscht hatten.
Hier wird zunächst das technische Vorgehen bei der historischen Recherche beschrieben. Der Text lässt sich als pdf-file (500 KB, 42 Seiten) hier downloaden:
Das Thema hatte kurze Zeit später eine unerwartete Aktualität erfahren: Ausgelöst durch Sammelklagen in den USA begann in Deutschland 45 Jahre nach (!) Kriegsende eine öffentliche Debatte über dieses gern verschwiegene menschliche Problem, die letztlich in einer Stiftungsinitiative mündete, die sicherstellt, dass wenigstens die jetzt noch (sehr wenigen) lebenden ehemaligen Zwangsarbeiter in den osteuropäischen Ländern eine kleine Entschädigung für die Ausbeutung in den 40er Jahren erhalten.
Der Autor betreibt hier eine journalistische Nachschau seiner Arbeit:
Wie hat er seine Ergebnisse publizistisch verwertet?